Mü 32 – Vorbereitungen auf einen zweiten Bruchversuch

Die Versuchsauswertung und ihre Konsequenzen

Das Jahr 2025 begann für die Mü 32 mit der Finalisierung der Auswertung des Flügel-Bruchversuchs im vorangegangenen Jahr. CT- und FEM-Untersuchungen bestätigten die bereits vermuteten Schwachstellen im Bereich des Übergangs zwischen Holmgabel und regulärem Holm. Zusätzlich wurden mehrere fertigungstechnische Probleme sichtbar, darunter Lufteinschlüsse, Welligkeiten der Rovings sowie Ungenauigkeiten bei der Positionierung des Stegs.

Darauf aufbauend wurde der kritische Übergang zwischen Gabel und regulärem Holm überarbeitet, um Steifigkeitssprünge zu reduzieren und den Kraftfluss gleichmäßiger zu gestalten. Die stärkere Struktur der Gabel zieht sich nun weiter in den normalen Holm hinein und soll den Bereich dadurch verstärken und entzerren. Auch bei den Materialien wurde nachgeschärft: Im kritischen Bereich kommt für den Stegkern nun Luftfahrtholz statt Schaum zum Einsatz, außerdem wird bei der Steg-Belegung Kohlegewebe statt Glasgewebe verwendet. Zusätzlich wurden weitere, in der FEM gefundene Schwachstellen, darunter ein Beulfeld an der Flügelwurzel und ein überlasteter Bereich zwischen den Inserts der Hauptbolzen, angegangen.

In der Fertigung sollen neue Positionier-Schablonen den Holmsteg mittig auf den Gurten halten und gleichzeitig helfen, den Klebespalt zwischen Gurt und Schale auf den Sollwert zu bringen. Eine angepasste Reihenfolge bei der Verklebung der Holmgabel soll außerdem Lufteinschlüsse vermeiden. Insgesamt bleibt die Hoffnung, dass diese Sammlung an kleinen Änderungen den Holm so weit verbessert, dass der nächste Bruchversuch gelingt.

Das CT-Bild zeigt die Schwachstellen des ersten Flügels
Ein Vergleich des alten (hinten) und des neuen (vorne) Holms

Mü 32 – jetzt mit neuen Klappen

Begleitend zum Bruchversuch wurde 2024 auch der Steuerfreigängigkeitsversuch durchgeführt. Dabei zeigte sich insbesondere das Querruder als zu biegesteif. Nach mehreren untersuchten Varianten fiel die Entscheidung auf einen neuen Aufbau ohne UD-Kohle-Gurt und mit Kohlegewebe in ±45°-Orientierung. Dieser Aufbau soll nun auch für die Wölbklappe umgesetzt werden, um beim nächsten Bruchversuch einen erneuten Steuerfreigängigkeitsversuch durchführen zu können.

„Macht denselben Versuch nochmal“

Lieber nicht! Die Auswertung des Bruchversuchs ergab nämlich nicht nur Schwachstellen im Flügeldesign, sondern auch im Versuchsaufbau selbst, der deshalb überarbeitet wurde. Die Positionierung der Lastscheren sowie deren Konstruktion werden angepasst, um Kraftspitzen im kritischen Bereich zu reduzieren. Zusätzlich wird der bisherige Aufbau zur Simulation des zweiten Flügels durch ein vereinfachtes Konzept mit Stahlträger und zweitem Kran ersetzt.

Auch die Messtechnik wird erweitert. Neben der bisherigen Sensorik kommen zusätzliche Kraftsensoren an den Lastscheren sowie eigens von der Fa. Kistler gefertigte Fasersensoren zum Einsatz. Der nächste Bruchversuch ist derzeit für das dritte Quartal dieses Jahres geplant. Ziel bleibt weiterhin die Flügelzulassung bis Anfang 2027.

Aller guten Dinge sind drei …

… Flügelschalen. Der Bau neuer Flügelschalen stellte das neue Projektteam nach längerer Laminierpause vor unerwartete Herausforderungen. Der erste Versuch musste nach Problemen beim Laminieren verworfen werden. Nach Anpassungen an Planung und Ablauf gelangen jedoch kurz darauf sowohl Ober- als auch Unterschale erfolgreich. Beide Schalen warten derzeit auf den Einbau der Strukturbauteile.

Gemeinsames Laminieren der Flügelschalen

Und sonst so?

Neben den Arbeiten am Bruchversuch wurden bereits Einbauteile für die späteren fliegenden Flügel gefertigt. Außerdem wurde der Teststand für die Wölbklappenautomatik weiterentwickelt und erste Untersuchungen zur Fatigue-Analyse von Composite-Bauteilen gestartet. Gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Strukturauslegung in der Luft- und Raumfahrt (geleitet von unserem frisch gewählten 1. Vorstand Prof. Daoud) soll langfristig eine Methodik entwickelt werden, um Ermüdungsnachweise für Composite-Strukturen realitätsnäher bewerten zu können. Auch im kommenden Jahr bleibt der Bruchversuch Schwerpunkt des Projekts. Bis zum Erstflug ist es zwar noch ein weiter Weg; der Wille, diesen zu erreichen, ist jedoch weiterhin groß.

Autoren: Florentin „Putzi“ Wilke und Raphael „Omi“ Kempf

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